News

Informationsquelle FAMA-Blog

Hier bloggt der FAMA! Positionen, Kommentare, Meldungen zum Vereinsgeschehen und zur Messewirtschaft mit umfassendem Archiv.
Anregungen und Kommentare können Sie jederzeit per E-Mail an newsletter@fama.de schicken. Mitglieder sollten sich außerdem hier - falls noch nicht geschehen - zum FAMA-Newsletter anmelden, der derzeit acht Mal jährlich erscheint und der auch spezifischere Informationen und Anregungen enthält.

Donnerstag, 1. Juni 2023

Tradition verdichtet: Interview mit Jan Goschmann


Mannheim war gerade mal sechs Jahre alt, da wurden der Quadratestadt von Pfalzgraf Johann II. von Zweibrücken die Marktprivilegien verliehen. Das war im Jahr 1613. Damit ist der Maimarkt eine der ältesten Institutionen Mannheims. Dahinter steht mit der Familie Goschmann ein Name, der aus der Geschichte des Messewesens und des FAMA nicht wegzudenken ist. Wir haben mit Jan Goschmann, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, über Tradition, Innovation und Transformation gesprochen. (Bild: MAG/Blüthner).

Der Mannheimer Maimarkt zählt zu den größten Publikumsmessen mit der längsten Tradition in Deutschland. Wie erklären Sie dieses Phänomen jemandem, der nicht aus Mannheim kommt?

Mannheim war ein Knotenpunkt alter Handelsstraßen. Durch die Marktprivilegien konnte sich der Maimarkt etablieren und über die Jahrhunderte halten. Durch die Tradition blieb er den Generationen im Gedächtnis, die jeweils Jüngeren entdeckten ihn für sich neu. Auch heute genießt der Maimarkt einen hohen Bekanntheitsgrad in der Region und darüber hinaus. Er wirkt wie eine fünfte Jahreszeit. Traditionell gilt der letzte Tag, der Maimarktdienstag, geradezu als regionaler Feiertag.

Allenthalben werden die Laufzeiten von Publikumsmessen verkürzt. Der Maimarkt hingegen läuft erfolgreich über 11 Tage. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Umfragen haben immer wieder gezeigt, dass die Besucherinnen und Besucher die große Vielfalt der Fach- und Sonderschauen schätzen. Der Maimarkt ist aber noch mehr: Treffpunkt mit Familie und Freunden, Ideenpool, man möchte dabei gewesen sein, um nichts zu verpassen. Viele Besucher sind Stammkunden oft mehrerer Aussteller und wollen in Ruhe ihre Einkäufe tätigen. Kaufwillige Mehrfachbesucher prüfen ihre Investitionen sorgfältig, vergleichen und kommen zum Kaufabschluss ein zweites oder drittes Mal. Verkaufsabschlüsse in der zweiten Maimarkthälfte übertreffen immer die der ersten.

Der Maimarkt bietet eine breite Auswahl an Themen und Angeboten, doch das Publikum wird immer anspruchsvoller. Wie bewerkstelligen Sie den Spagat zwischen Tradition und Innovation?

Wir sehen keinen Spagat und keinen Widerspruch! Tradition ist nicht unverrückbar statisch, sondern – wenn sie überleben soll – immer auch innovativ. Produkte, Dienstleistungen und Bräuche entwickeln sich im Zuge des gesellschaftlichen Wandels. Auch langjährige Aussteller entwickeln ihre Produkte fort und führen immer wieder pfiffige Neuheiten ein.

Die Pandemie ist vermutlich auch an ihren Messen nicht spurlos vorübergegangen. Was hat sich aus ihrer Sicht dadurch verändert?

Bei der Branchenvielfalt innerhalb des Maimarktes ist zu beobachten, dass insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen zum Teil gravierende Rückschläge hinnehmen mussten. Dies führte in nicht wenigen Fällen zur Veränderung der Geschäftsidee, zum Rückzug aus dem Markt oder zur Geschäftsaufgabe aus den unterschiedlichsten Beweggründen. Anderen dagegen ist noch bewusster geworden, dass sie sich zeigen müssen, um gesehen zu werden. Genau diesen Teilnehmern kommt jetzt der Nachholbedarf der Besucher zugute. Die Besucher wiederum wissen persönliche Beratung zu schätzen, das Anfassen und Ausprobieren. Oft genug entdecken sie beim „Sich- treiben-Lassen“ etwas, das sie schon seit Langem gesucht haben.

Zahlreiche digitale Angebote sind bereits wieder auf dem Rückzug. Welche Optionen der Digitalisierung beschäftigen Sie als Messemacher?

Bei Messen geht es um die persönliche Begegnung von Mensch zu Mensch, sie ist digital einfach nicht zu ersetzen. Daher befassen wir uns mit der Digitalisierung organisatorischer Abläufe, nicht aber mit virtuellen Messen.