In der schnelllebigen Meme-Kultur brachte der Ohrwurm-Song „Gut Genug“ diesen Sommer ein lustiges Missverständnis. Der im ikonischen Falsett gesungene Refrain „Du bist gut genug“ von Kitschkrieg, Blumengarten und Shirin David wurde in der Welt als „Doobie Scoot Canoe“ verstanden – und gefeiert. Dieses sog. Mondegreen-Phänomen sorgt immer wieder für Verwirrung und steht auch ein bisschen für unsere Zeit (Bild: AI / generiert mit Pixabay).
Kolumne von Oliver Schmitt
In dem Song geht es um die Sehnsucht, so akzeptiert zu werden, wie man ist, um Trost und Zuspruch. Als virales Meme, vor allem auf Tiktok und Instagram, hat es der Refrain mittlerweile zur universellen Tonspur für allerlei Content gebracht. Unabhängig vom Missverständnis konnte der Song den sonst üblichen Widerstand gegen nicht-englische Texte im Web vor allem deshalb überwinden, weil die Algorithmen nicht die Sprache, sondern die Reaktion der Nutzenden ins Kalkül zieht. Da stellt sich mir die Frage: Wie geht man eigentlich auf Messen viral?
Früher war die Sache höchst einfach: Leicht bekleidete Mädchen, im billigsten Sinne von „sex sells“, eigneten sich nicht nur auf Publikumsmessen dazu, die Aufmerksamkeit von (meist männlichen) Besuchenden auf sich zu ziehen. Wahrscheinlich würde das sogar heute noch funktionieren, wäre es nicht mittlerweile zu Recht verpönt. Akustische Reize, wie etwa die flotten Sprüche der Propagandist*innen oder wummernde Bässe, sind ebenfalls dankbare Attraktionen. Gewinnspiele und Messerabatte eignen sich ebenfalls dazu, Privatbesuchende an den eigenen Stand zu locken.
Die buchstäbliche Musik spielt allerdings online. Diese schneeballartige Verbreitung von kurzen Memes ist in der physischen Welt allenfalls in Situationen schierer Panik vorstellbar. Und die möchte auf Messen ganz sicher niemand erleben. Bleibt also die Aufgabe, in der digitalen Parallelwelt virale (oder wenigstens gesteigerte) Aufmerksamkeit für Messen und ihre Aussteller zu erzeugen. Dazu gibt es haufenweise Beispiele (wir würden uns über Links dazu übrigens sehr freuen!), auch wenn immer eine gehörige Portion Glück dazugehört.
Wenn es dann um den persönlichen Kontakt zwischen Menschen und Menschen, zwischen Menschen und Unternehmen oder zwischen Menschen und Marken kommt, dann freilich können Messen wieder ihre Stärken ausspielen: Missverständnisse entstehen erst gar nicht oder werden, falls doch, schnell ausgeräumt. Legendäre Mondegreens wie „Agathe Bauer“ für „I‘ve got the power“ von Snap oder „Sweet dreams are made of cheese“ statt „this“ von Eurythmics könnten sich auf Messen nur schwer entwickeln. Denn im persönlichen Austausch sind Richtigstellungen schnell erledigt.
Ich wünsche uns, dass wir uns als Konsument*innen, als Produzierende, auch als politische und soziale Wesen wieder mehr persönlich begegnen, gerade außerhalb unserer Bubbles. Um Missverständnisse auszuräumen, um einander besser zu verstehen und um Populist*innen nicht so leicht auf den Leim zu gehen. Gerne übrigens auf Messen und Ausstellungen, oder?







