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Freitag, 11. September 2026

Mitglieder stellen sich vor: Nilly Nail • Messe Dornbirn


Der FAMA gewinnt kontinuierlich neue Mitglieder, die wir dann hier vorstellen, damit sie sich schneller ins Netzwerk unseres Verbandes einfügen und sich unsere bestehenden Mitglieder ein Bild machen können. Jetzt wollen wir erstmal der Reihe nach die neuen Mitglieder aus Österreich vorstellen. Die Messe Dornbirn ist zwar schon länger dabei, hat aber mit Nilly Nail eine neue Geschäftsführung. Er beantwortet uns einige Fragen (Bild: Messe Dornbirn).

Die Messe Dornbirn ist ein traditionsreicher Messeplatz im Vier-Länder-Eck am Bodensee. Was ist das Besondere an eurer Ausrichtung?

Das Besondere ist für mich die Kombination aus regionaler Verankerung und einem klaren Blick über die Region hinaus. Wir sitzen mitten in einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas – Vorarlberg, Ostschweiz, Liechtenstein und Süddeutschland. Das ist ein enormes Potenzial.

Gleichzeitig glaube ich nicht mehr an die klassische Universalmesse, die versucht, möglichst viele Themen unter einem Dach abzubilden. Unsere Zukunft liegt in klar positionierten Fachmessen und Veranstaltungsformaten, die für eine definierte Zielgruppe einen echten Mehrwert schaffen.

Das heißt für mich: Wir wollen nicht möglichst viele Quadratmeter verkaufen, sondern relevante Plattformen für bestimmte Märkte entwickeln. Der Aussteller soll nicht bei uns sein, weil wir Fläche haben, sondern weil wir ihm Zugang zu den richtigen Kunden, Entscheidern und Geschäftsmöglichkeiten bieten.

Dazu kommt unsere regionale DNA. Die Messe Dornbirn ist kein austauschbarer Veranstaltungsort. Wir sind Teil dieser Region, kennen die Unternehmen, die Menschen und die Märkte. Genau diese Nähe ist ein Wettbewerbsvorteil, den wir künftig noch stärker ausspielen wollen.

Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft ist von permanentem Wandel geprägt. Wie hat sich euer Geschäft zuletzt entwickelt und was erwartest Du in den kommenden Jahren?

Wir haben in Dornbirn sehr bewusst einen Veränderungsprozess eingeleitet. Die Ausgangssituation war nicht einfach: Die klassische Messewirtschaft verändert sich, Besucher- und Ausstellerverhalten hat sich verändert und gleichzeitig stehen Messeplätze heute in einem viel stärkeren Wettbewerb um Veranstaltungen und Budgets. Unsere Antwort darauf ist nicht, einfach mehr Veranstaltungen zu machen. Wir wollen besser und relevanter werden. Das bedeutet erstens eine klare Fokussierung auf Fachmessen und B2B-Formate. Zweitens wollen wir das Veranstaltungs- und Kongressgeschäft stärker entwickeln. Und drittens müssen wir unsere bestehenden Formate konsequent weiterentwickeln.

Wir haben in den vergangenen Monaten bereits eine ganze Reihe von Neulancierungen auf den Weg gebracht. Im März ist mit der AustroMobil eine neue Mobilitätsmesse erfolgreich gestartet – mit über 7.000 Besuchern und einem völlig neuen Konzept.

Im September folgt mit dem Relaunch der Tech.Con für Produktions- und Prozessautomatisierung, Robotik und Digitalisierung und der neuen movatec für Logistik und Automatisierung ein Fachmessedoppel, das ganz bewusst auf die industrielle Stärke der Bodenseeregion einzahlt. Unter dem gemeinsamen Dach „Your Future in Automation“ verbinden wir damit Produktion, Robotik, Digitalisierung und Logistik. Und für 2027 sind mit Milchwerk eine Technologiefachmesse für die Milchwirtschaft sowie flavor für die Gastronomie- und Hospitalitybranche bereits zwei weitere spezialisierte B2B-Formate in Vorbereitung.

Die Richtung ist damit klar: Wir wollen nicht wieder zur Universalmesse werden, sondern relevante Nischen besetzen. Dort, wo die Region wirtschaftliche Stärke und Know-how mitbringt, wollen wir fokussierte überregionale B2B-Plattformen schaffen, die für Aussteller und Fachbesucher einen konkreten Mehrwert bieten. Ich bin überzeugt, dass wir damit das Messegeschäft in Dornbirn nachhaltig weiterentwickeln können.

Welchen Stellenwert misst Du Digitalisierung und künstlicher Intelligenz für die Abläufe in der Messe- und Eventwirtschaft bei und wie werden diese die Customer Journey zukünftig beeinflussen?

Digitalisierung und künstliche Intelligenz werden für die Messewirtschaft eine immer größere Rolle spielen. Entscheidend ist für mich aber, Technologie nicht um ihrer selbst willen einzusetzen, sondern dort, wo sie einen konkreten Mehrwert schafft. Wir gehen deshalb Schritt für Schritt vor. Bei der Tech.Con und movatec setzen wir erstmals eine neue Leadtracking-Lösung ein. Damit können Aussteller Kontakte und Gespräche auf der Messe digital erfassen und vor allem auch nach der Veranstaltung besser weiterbearbeiten. Das ist für mich der erste Schritt in Richtung einer deutlich datenbasierteren Messe.

Der nächste Schritt wird intelligentes Matchmaking sein: Wir wollen künftig noch besser zusammenbringen, was zusammengehört – also die richtigen Aussteller mit den richtigen Fachbesuchern. Unser erster Schwerpunkt liegt allerdings hinter den Kulissen. Wir werden gezielt in Technologien und KI investieren, um interne Prozesse zu automatisieren, Abläufe zu vereinfachen und unsere Mitarbeiter von wiederkehrenden Tätigkeiten zu entlasten. Das reicht von der Aufbereitung von Daten über Kommunikation und Vertrieb bis hin zu administrativen Prozessen.

Damit verfolgen wir zwei Ziele: Wir wollen die Messeproduktion effizienter und skalierbarer machen und gleichzeitig unseren Kunden mehr Leistung bieten können. Die Technologie soll also nicht die persönliche Begegnung ersetzen – sie soll uns helfen, mehr Zeit und Ressourcen für genau diese Begegnung zu schaffen. Am Ende geht es für mich um eine intelligente Verbindung aus Effizienz im Hintergrund und mehr Qualität für Aussteller und Besucher im Vordergrund.

Welche Herausforderungen siehst Du in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit und wie geht Ihr bei der Messe Dornbirn konkret damit um?

Für mich hat Nachhaltigkeit drei Dimensionen, die man nicht voneinander trennen kann: ökologisch, ökonomisch und sozial. Die vielleicht größte Herausforderung ist dabei, diese drei Dimensionen zusammenzubringen. Denn eine Veranstaltung ist nur dann nachhaltig, wenn sie langfristig funktioniert – wirtschaftlich genauso wie ökologisch und gesellschaftlich. Ökologisch geht es bei uns natürlich um Themen wie Energie, Mobilität, Ressourcenverbrauch und Abfall. Photovoltaik, nachhaltige Mobilitätsangebote und ein konsequentes Abfallmanagement sind konkrete Maßnahmen. Aber ich glaube, wir müssen noch einen Schritt weitergehen und Nachhaltigkeit bereits bei der Konzeption einer Veranstaltung mitdenken.

Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass eine Messe einen echten Nutzen erzeugt. Für den Aussteller, für den Besucher, für die Region und natürlich auch für den Veranstalter. Eine Veranstaltung, die zwar groß ist, aber keinen relevanten wirtschaftlichen Nutzen erzeugt, ist für mich nicht nachhaltig.

Und sozial bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die hinter unseren Veranstaltungen stehen. Wir investieren deshalb in ein gesundes Arbeitsumfeld, Weiterbildung und eine offene Unternehmenskultur. Letztlich ist Nachhaltigkeit für mich kein eigenes Projekt neben dem eigentlichen Geschäft. Sie muss Teil unserer täglichen Entscheidungen werden.

Warum ist die Messe Dornbirn Mitglied im FAMA und was erwartest Du von unserer Gemeinschaft in Zukunft?

Weil wir als Messegesellschaft nicht im eigenen Saft schmoren dürfen. Die Messewirtschaft verändert sich sehr schnell. Deshalb halte ich den Austausch innerhalb der Branche für enorm wichtig – gerade auch zwischen Messeplätzen, Veranstaltern und Dienstleistern. Vom FAMA erwarte ich dabei nicht nur klassische Brancheninformationen. Ich erwarte offenen Austausch über das, was funktioniert – und genauso über das, was nicht funktioniert.

Wir stehen alle vor ähnlichen Fragen: Wie gewinnen wir künftig Fachbesucher? Wie entwickeln wir neue Formate? Wie nutzen wir Daten und KI sinnvoll? Wie verändern sich Geschäftsmodelle? Und wie schaffen wir es, Veranstaltungen wirtschaftlich nachhaltig zu betreiben?

Da kann eine Gemeinschaft wie der FAMA einen echten Mehrwert schaffen.

Und ich glaube auch, dass wir als Messe Dornbirn etwas einbringen können. Wir sind gerade mitten in einem Veränderungsprozess und probieren neue Dinge aus. Manche funktionieren sofort, andere müssen wir nachschärfen. Ich würde mir deshalb vom FAMA eine Gemeinschaft wünschen, in der man nicht nur über Best Practices spricht, sondern auch offen über Learnings, Fehler und neue Geschäftsmodelle. Denn am Ende geht es uns allen um dasselbe: Messen auch in Zukunft zu relevanten Plattformen für Märkte, Menschen und Geschäftsentwicklung zu machen.

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.