Als Fachleute, die wir uns tagein, tagaus in der Welt der Messen bewegen, vergessen wir womöglich allzu leicht, welches Bild wir in der Öffentlichkeit abgeben, welche Erwartungen wir wecken und welche Enttäuschungen wir produzieren. Auch ich werde hin und wieder überrascht, was die Welt da draußen über uns denkt (Bild: generiert mit Perplexity).
Kolumne von Oliver Schmitt
Die Heute-Redaktion des ZDF hat am 19. April in der 17-Uhr-Sendung einen ausführlichen Bericht über Messen gesendet. Titel: Wie wichtig sind Messen noch? Weiter unten im Transkript folgt die Frage, welche Bedeutung Messen in Zeiten der Digitalisierung noch haben. Dann eine Reihe von Stellungnahmen aus der Messewirtschaft. Tenor: Menschliche Begegnung ist unersetzlich, Vertrauen und Glaubwürdigkeit spielen eine große Rolle, Messen sind Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Beitrag endet mit den Worten: „Totgesagte leben länger, sagt man. In der Messebranche trifft das wohl zu.“
Der AUMA hat Ende März seinen AUMA-Aussteller-Ausblick 2026/2027 veröffentlicht. Darin heißt es, dass 59% der 400 regelmäßig befragten Unternehmen ihre Messebeteiligungen konstant halten wollen. Im Durchschnitt wird ein leichter Rückgang von 5,4 (2024/2025) auf 5,1 Messebeteiligungen prognostiziert. Dabei sehen 97,5% der befragten Unternehmen Messen weiterhin als unverzichtbare Plattform für Austausch, Innovation und Geschäftsanbahnung. AUMA-GF Jörn Holtmeier ist sich sicher, dass Unternehmen trotz der unsicheren Welt- und Wirtschaftslage mehrheitlich auf ihre Messebeteiligungen schwören.
Auf Linkedin-Posts zur heute-Sendung wie zum AUMA hatte ich Feedback erhalten: Eine Messebeteiligung sei kein Kulturereignis, sondern ein Investment, das sich rechtfertigen müsse. Ob es wirklich nur der Kampf um die Werbebudgets, der Neid sei, wurde gefragt. Dass der Fokus auf dem Aussteller-Erfolg liegen müsse und dadurch das Besuchserlebnis besser werde. Und ich selbst habe mich gefragt, wie belastbar der dokumentierte Schwur auf Messen ist. Denn ich erledige einen Großteil meiner Dienstreisen aus Überzeugung per Bahn, möchte sie aber dennoch regelmäßig für ihre Performance auf den Mond schießen.
Wie klug ist es, unsere Kunden in vermeintlicher Alternativlosigkeit einzusperren, nur weil sie uns für unverzichtbar halten? Sobald sich eine Alternative auftut, bricht sich der Frust Bahn. Und letztlich haben mittlerweile vom leidensfähigen Boomer bis zur angeblich so ablenkbaren Gen Alpha alle begriffen: Wer in Zeiten von KI auf Nummer sicher gehen will, der muss einander in die Augen schauen. Doch das kann ich an jedem Live-Anlass. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass auch wir Messen auf diesem Asset aufbauen dürfen. Aber ein bisschen mehr darf’s dann schon sein, oder?
