Neulich bin ich auf ein Video von Comedian Jimmy Carr gestoßen, in dem er gefragt wird, ob KI ihn ersetzen wird. Seine Antwort war so erhellend wie treffend: Nein. Er beschreibt KI als eine (sehr gute) Cover Band, die in unserer (von der linken Gehirnhälfte dominierten) Welt einen exzellenten Job mache. Sie könne komplizierte Dinge (z.B. auf den Mond fliegen, Messen organisieren, etc.) überschaubar machen. Beim Kreativpart unserer rechten Gehirnhälften jedoch, da könne sie einpacken. Falls das stimmt, was bedeutet das für uns? (Bild: Erstellt mit Perplexity)
Kolumne von Oliver Schmitt
Ein zweiter Impuls traf mich aus der Sendung Kultur heute vom DLF und kam aus dem Munde von Dr. Hans Rusinek, der an der Uni St.Gallen zum Wandel der Arbeitswelt forscht. Er beklagte, dass Arbeit nur noch als Erwerbsarbeit gesehen werde, als solche nicht mehr attraktiv genug sei und wir sie deshalb zusehends vermeiden. Zugleich seien wir im Alltag immer gehetzter, was ökonomisch höchst unklug sei. KI treibe uns in diesem Zusammenhang in eine Effizienzfalle. Sie ermögliche zwar, Zeit zu gewinnen. Seine Forschung zeige jedoch, dass diese Zeit vorwiegend dazu genutzt werde, noch mehr desselben zu tun. Wir würden dadurch zu noch schnelleren Raupen, die sich aber nicht die Zeit nehmen, zum kreativ-schöpferischen Schmetterling zu werden.
Eine Frage, die sich mir stellt: Wer ist die Henne und wer das Ei? Im Hauptberuf Strategieberater weiß ich, dass wir uns in der Messewirtschaft schon immer damit schwergetan haben, einen klaren strategischen Rahmen kreativ zu erschaffen und unsere Messeprodukte darin glasklar zu positionieren. Die Verlockungen der KI scheinen dieses Phänomen noch zu verstärken. In der Hoffnung auf Effizienzgewinne werden Prozesse mit KI optimiert und effizienter gestaltet. Ohne dass wir wissen, ob wir diese für die Messen und Events der Zukunft überhaupt noch so brauchen. Währenddessen könnten uns, anfangs weitgehend unbemerkt, andere Akteure oder Formate den Rang ablaufen, weil sie Lösungsansätze ganz anders angehen und so einen völlig neuen Mehrwert schaffen.
Peter Drucker, der österreichisch-amerikanische Sozial-Ökologe hat es einmal sinngemäß so formuliert: Nichts sei unproduktiver, als etwas zu optimieren, was man am besten ganz bleiben ließe.
Daher kann ich uns allen nur raten, dass wir unsere rechten Hirnhälften in Gang bringen, uns von reinen Effizienzfallen emanzipieren und kreativ nach innovativen Lösungen suchen und diese zum Wohle unserer Kunden an die Märkte bringen. Strategische Optionen identifizieren, lebendige Entwicklungskorridore erschließen, klar verständliche Lösungen und Produkte kreieren. Und vor allem: Dass wir genau damit anfangen und nicht der Versuchung erliegen, dass wir die mit Hilfe von KI gewonnene Zeit dann schon irgendwann auch für mehr Kreativität nutzen werden.
Lasst uns das Raupenstadium hinter uns lassen und zu bunten Schmetterlingen werden, die den Menschen auf der Welt ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ein Lächeln des Erfolgs, ein Lächeln der Freude, ein Lächeln der menschlichen Begegnung. Denn das ist eine unserer Bestimmungen als Messen.















