Die aktuellen ifo-Zahlen für die Veranstaltungswirtschaft (April 2026) zeigen stabile Umsätze, aber auch ein strukturelles Warnsignal. Der Umsatz stagniert seit rund einem Jahr auf nahezu konstantem Niveau. Die Geschäftslage schwankt und das Geschäftsklima verschlechtert sich deutlich. Björn Sänger, Vorstand und GF des VDVO, kommentiert diesmal die Zahlen des ifo-Instituts (Bild: Forum Veranstaltungswirtschaft).
Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist diese Kombination bemerkenswert. Denn stabile Umsätze bei gleichzeitig schwacher Beschäftigungsentwicklung und eingetrübten Erwartungen deuten nicht auf Stabilität hin – sondern auf Anpassungsprozesse im Markt.
Für den B2B-Veranstaltungsbereich, den die VDVO-Mitglieder prägen, verdichtet sich ein klares Bild: Budgets sind da – aber sie werden vorsichtiger eingesetzt.
Die Zahlen stützen damit eine Beobachtung, die wir im VDVO seit Monaten sehen: Unternehmen halten ihre Eventbudgets formal stabil, agieren jedoch deutlich selektiver in der Mittelverwendung. Das hat mehrere Konsequenzen:
- Veranstaltungen werden kritischer hinterfragt und priorisiert
- Formate werden effizienter, zielgerichteter und teilweise reduziert
- Entscheidungen werden später getroffen und kurzfristiger umgesetzt
Der stagnierende Umsatz ist damit kein Zeichen von Stärke, sondern Ausdruck eines Spannungsfelds: Kostensteigerungen treffen auf eine zurückhaltende Nachfrageentwicklung.
Besonders deutlich wird das im Geschäftsklima. Der starke Rückgang zeigt: Hier geht es nicht nur um aktuelle Geschäftszahlen, sondern um die Erwartung einer anhaltenden Investitionszurückhaltung.
Treiber sind dabei bekannte Faktoren:
- geopolitische Unsicherheiten
- hohe Energie- und Betriebskosten
- fragile Lieferketten
- und insgesamt eine zunehmende Vorsicht in den Unternehmensstrategien
Was bedeutet das für die Branche?
Die Veranstaltungswirtschaft bleibt ein zentraler Bestandteil wirtschaftlicher Kommunikation und Wertschöpfung. Aber: Sie bewegt sich aktuell in einem Umfeld, in dem Effizienz vor Expansion steht. Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob es gelingt, Vertrauen in wirtschaftliche Stabilität zurückzugewinnen und damit Investitionsentscheidungen wieder zu beschleunigen.
Denn eines zeigen die ifo-Daten sehr deutlich: Nicht fehlende Budgets sind das Problem – sondern fehlende Zuversicht.
