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Informationsquelle FAMA-Blog

Hier bloggt der FAMA! Positionen, Kommentare, Meldungen zum Vereinsgeschehen und zur Messewirtschaft mit umfassendem Archiv.
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Donnerstag, 1. Oktober 2026

Moderner Einlass: Aditus stellt Speedy 2 vor


Mit Speedy 2 stellt die Aditus GmbH eine neue Generation von Einlasssystemen für den Messe- und Eventbetrieb vor. Sie unterstützt moderne NFC-Wallet-Tickets, eröffnet neue Möglichkeiten der Besucherkommunikation und ist für zukunftsorientierte KI-basierte Sicherheits- und Einlassprozesse ausgelegt. Veranstalter profitieren von einem schnelleren Einlass und einer konsistenten Besucherführung (Bild: Aditus).

Im Mittelpunkt steht die Unterstützung moderner NFC-Technologie. Tickets aus Apple Wallet und Google Wallet können direkt am Einlass erfasst und validiert werden. Besucher*innen benötigen weder Ausdrucke noch zusätzliche Apps. Speedy 2 ermöglicht einen nahezu berührungslosen Einlass: Tickets werden automatisch erkannt und geprüft, während Besucher*innen den Einlass passieren. Der gesamte Prozess aus Ticketprüfung, Badge-Druck und Zutritt kann in weniger als drei Sekunden erfolgen.

Die neue Systemarchitektur ist zudem so ausgelegt, dass sie künftig um KI-basierte Sicherheits- und Einlassprozesse erweitert werden kann, wie zum Beispiel um intelligente Verfahren zur Identitätsprüfung am Einlass.

Weitere Informationen finden sich hier.

Weiter geht's: September fährt Messen wieder hoch


Ein Jahrhundertsommer liegt hinter uns und bevor der Herbst richtig Einzug hält, wurde Deutschland politisch kräftig durchgeschüttelt. Die Messewirtschaft ficht das nicht an, denn es galt Menschen und Märkte zusammenzubringen und das ist im September bereits wieder hervorragend gelungen. Insgesamt konnten die Messen unserer Mitglieder weit über 200.000 Besuchende anziehen (Bild: FAFGA Innsbruck).

  • Messe Erfurt: NEW bauhaus (Weimar, 2.-3.9.; 600 Besuchende)
  • Klagenfurter Messe: Int. Holzmesse (2.-5.9.; 22.000 Bes.)
  • inRostock: PflegeMesse (8.-10.9.; 3.000 Bes.)
  • MCH Group: ineltec (Zürich, 9.-10.9.; 8.629 Bes.)
  • Messe Dornbirn: Herbstmesse (9.-13.9.; 30.000 Bes.)
  • HINTE Expo: INTERGEO (München, 15.-17.9.; 18.600 Bes.)
  • CloserStill: Zukunft Personal Europe (Köln, 15.-17.9.; 25.965 Bes.)
  • Easyfairs: KPA Leipzig (Schkeuditz, 16.-17.9.; 1.013 Bes.)
  • Klagenfurter Messe: Herbstmesse (16.-20.9.; 47.000 Bes.)
  • Congress Messe Innsbruck: FAFGA (20.-22.9.; 9.900 Bes.)
  • Easyfairs: all about automation (Chemnitz, 23.-24.9.; 2.985 Bes.)
  • Messe Dornbirn: movatec / TECH.CON (23.-24.9.; 1.000 Bes.)
  • MCH Group: Ilmac (Lausanne, 23.-24.9.; 3.335 Bes.)
  • Fleet Events: W3+ Fair (Jena, 23.-24.9.; 4.750 Bes.)
  • MVGM: PERSPEKTIVEN (Magdeburg, 25.-26.9.; 7.000 Bes.)
  • Messe Erfurt: Grüne Tage Thüringen (25.-27.9.; 20.000 Bes.)
  • inRostock: RoBau (25.-27.9.; 10.000 Bes.)
  • Messe Husum & Congress: eMotion (26.-27.9.; 1.000 Bes.)

Mitglieder stellen sich vor: Thomas Mur • Messe Bozen


Der FAMA gewinnt kontinuierlich neue Mitglieder, die wir dann hier vorstellen, damit sie sich schneller ins Netzwerk unseres Verbandes einfügen und sich unsere bestehenden Mitglieder ein Bild machen können. Wie angekündigt, folgen nun die neuen Mitglieder aus Österreich (bzw. deren assoziiertes Mitglied). Die Messe Bozen ist ein traditionsreicher Messeplatz in deutsch-italienischen Sprachraum und weist ein spannendes Portfolio auf. Direktor Thomas Mur beantwortet uns einige Fragen (Bild: Messe Bozen).

Die Messe Bozen ist ein traditionsreicher Messeplatz an der deutsch-italienischen Sprachgrenze. Was ist das Besondere an eurer Ausrichtung?

Unsere Fachmessen sind eng mit den Stärkefeldern der Südtiroler Wirtschaft verknüpft. Tourismus mit der Fachmesse Hotel und dem neuen Eventformat BEAM. Landwirtschaft mit Agrialp und Interpoma.  Wintersport mit der Prowinter. Nachhaltiges Bauen mit der Klimahouse. Das ist kein Zufall, sondern gewachsene Kompetenz. In der Region gibt es rund um diese Themen ein lebendiges Ökosystem aus Forschung, Innovation und Unternehmen. Dieses Ökosystem bildet den starken Kern der jeweiligen Messe.

Dazu kommt die Lage: Wir sind ein starker Wirtschaftsraum, in dem der deutsche und der italienische Sprachraum aufeinandertreffen. Für alle, die in beiden Märkten tätig sind, ist Bozen die natürliche Drehscheibe.

Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft ist von permanentem Wandel geprägt. Wie hat sich euer Geschäft zuletzt entwickelt und was erwartest Du in den kommenden Jahren?

Stabil, mit leichtem Wachstum. Bei allen Fachmessen sind unsere Flächen komplett belegt. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck extrem zu, und wir können ihn nicht immer weitergeben. Auch wenn Bozen nicht der Nabel der Welt ist: Es lohnt sich, hierherzukommen, weil die Leute bei uns etwas finden, das es woanders so nicht gibt. Die Erreichbarkeit wird zudem laufend besser.

Für die kommenden Jahre haben wir uns vorgenommen, weiter neue Nischenthemen aufzuspüren, sie relevant zu machen und daraus ausgewachsene Messen zu entwickeln. Daran arbeiten wir bereits intensiv. Und wir wollen noch stärker auf die Bedürfnisse unserer Aussteller eingehen, indem wir Zeit und Aufwand für einen Messeauftritt reduzieren und unsere Formate kompakter und serviceorientierter gestalten.

Welchen Stellenwert misst Du Digitalisierung und künstlicher Intelligenz für die Abläufe in der Messe- und Eventwirtschaft bei und wie werden diese die Customer Journey von euren Ausstellern und Besuchenden zukünftig beeinflussen?

Ein großes Thema, und ich glaube, bisher hat keine Messe wirklich eine überzeugende Antwort darauf gefunden. Für mich ist die Frage immer: Wie bringen wir die richtigen Menschen zusammen? Genau dabei kann KI enorm helfen, indem sie die richtigen Informationen zur richtigen Zeit liefert und Kontakte möglich macht, die sonst nie zustande kämen. Das funktioniert aber nur im Zusammenspiel mit gut ausgebildeten, experimentierfreudigen Teams.

Dabei sollten wir Messe nicht zu eng auf Angebot und Nachfrage reduzieren. Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn ein ganzes Ökosystem zusammenkommt: Unternehmen, Forschung, Start-ups, Verbände, Politik. Und neben allem Digitalen stellt sich eine zweite, ebenso wichtige Frage: Wie schaffen wir Räume, in denen sich Menschen gerne treffen? Gute Gastgeber zu sein, ist der Kern unseres Angebots. Das passt auch sehr gut zu unserer Region.

Welche Herausforderungen siehst Du in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit und wie geht Ihr bei der Messe Bozen konkret damit um?

Das ist ganz sicher ein Thema, das in unserer Branche bei vielen leider aus der Prioritätenliste gerutscht ist, was ich für einen Fehler halte. Wir sind EarthCheck-zertifiziert und waren die zweite Messegesellschaft in Europa, die sich dieser anspruchsvollen Zertifizierung gestellt hat.

Aber ein Zertifikat allein verändert nichts. Entscheidend ist, ob Nachhaltigkeit Teil der Kultur wird: Wollen wir jeden Tag ein bisschen besser werden – ökologisch, ökonomisch und sozial?

Wir sehen das Thema als Innovationstreiber, nicht als Pflichtübung. Und wir haben Spaß daran, Lösungen zu finden, die gleichzeitig gut für die Umwelt, gut für die Menschen und gut für unsere wirtschaftlichen Ziele sind. Solche Lösungen gibt es. Man findet sie aber nur, wenn man positiv an die Sache herangeht statt defensiv.

Warum ist die Messe Bozen Mitglied im FAMA und was erwartest Du von unserer Gemeinschaft in Zukunft?

Der FAMA ist eine der wichtigsten Plattformen unserer Branche. Er ist dynamisch, wächst und ist klar nach vorne gerichtet. Statt nur Probleme zu verwalten, setzt man sich hier mit Möglichkeitsräumen auseinander. Das passt gut zu uns.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir uns noch stärker kritisch und konstruktiv mit unserer Branche auseinandersetzen, auch mit unbequemen Fragen. Und dass wir dabei unbedingt den positiven Spirit beibehalten, der den FAMA heute auszeichnet.

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.

Deutlich schwankend: Johannes Everke kommentiert ifo-Zahlen vom August


Umsatzzahlen und Beschäftigtenzahlen in der Veranstaltungswirtschaft halten sich im August 2026 auf konstantem Niveau, jedoch mit deutlichen Schwankungen und nach unten ausschlagenden Tendenzen bei der Beschäftigtenzahl. Johannes Everke vom BDKV kommentiert die ifo-Zahlen vom August (Bild: Forum Veranstaltungswirtschaft).

Daraus lassen sich Anpassungen an ein zunehmend durch Kostensteigerungen getriebenes Marktumfeld ablesen, genauso wie Vorsichtsmaßnahmen in einem Moment wirtschaftlicher Unsicherheit, die nicht ganz neu ist. An dieser Stelle schlägt die allgemein getrübte Geschäftslage der deutschen Wirtschaft auch auf die Veranstaltungswirtschaft durch.

Aus Sicht des BDKV sind Wirtschaftslage und allgemeine Stimmung jedoch durch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen veränderbar. Zudem zeigen die konstanten Umsatzzahlen, dass die Veranstaltungswirtschaft weiterhin auf einem stabilen Umsatzniveau durch angespannte wirtschaftliche Rahmenbedingungen navigiert. Die Branche setzt also weiterhin positive Impulse in einem sehr herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld, welches auf politische Weichenstellungen wartet.

Der Impuls liegt hier also bei den politischen Entscheidungsträgern, einen Kurs der Reformen in der Arbeits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik fortzusetzen und Veränderungspotentiale zu eröffnen.

Veranstaltungen leiten: FAMA Weiterbildung nun auch in Hannover


Unser Weiterbildungsangebot geht in die nächste Runde, und zwar mit dem Fortbildungsseminar zur Veranstaltungsleitung – diesmal in den Räumen von Aditus in Hannover am 20. November 2026. Thilo Könicke und Martin Glöckner laden zu einer weiteren Ausgabe ihres praxisorientierten Blicks auf die Aufgaben der Veranstaltungsleitung (Bild: FAMA). 

Das konkrete Tätigkeitsfeld eines Veranstaltungsleiters wird, während laufender Veranstaltung inklusive Auf- und Abbau, betrachtet. Teilkomponenten der Funktion werden analysiert und individuell priorisiert wobei die Befugnisse abgeglichen und bewertet werden. 

Theorie und Praxis werden im Seminar ausgewogen gewichtet:

Auf der theoretischen Seite werden Erläuterungen zu den einschlägigen Normen und Rechtsgrundlagen in den betreffenden Bereichen besprochen und anhand laufender Rechtsprechung eingeordnet.

Im Bereich der Praxis wird auf die konkrete Situation der Teilnehmer eingegangen, etwa in Bezug auf bundeslandspezifische Vorschriften und die Herausforderungen der konkreten Form und Besonderheiten durchgeführter Veranstaltungen. 

Praktische und auf den Teilnehmerkreis zugeschnittene Übungen, beispielsweise zur Einhaltung der Kommunikationskette, Krisenmanagement oder das dokumentierte Arbeiten in einem „Veranstalterstab“, werden das Seminar ergänzen.

Zur Anmeldung geht es hier.

Nachwuchs aufgepasst: Jetzt für Messe-Impuls-Preis bewerben


Anlässlich der Messefachtagung in Ulm wird am Abend des 23. November 2026 der diesjährige Messe-Impuls-Preis verliehen. Er fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs für Forschungen zum Thema Messen und Ausstellungen. Er ist mit 1.000 EUR dotiert. Eingereichte Arbeiten werden von einer Jury bewertet (Bild: FAMA).

Es können Arbeiten eingereicht werden, die messerelevante Fragestellungen behandeln, sei es aus der B2C-Welt der Publikumsmessen oder der B2B-Welt der Fachmessen. Auch Arbeiten aus verwandten Bereichen werden angenommen, soweit die bearbeiteten Themen für das Veranstaltungsmanagement relevant sind.

Teilnahmeberechtigt sind Hochschulabsolvent*inen, die ihre Bachelor- bzw. Masterarbeit bzw. Projektarbeit nach dem 1. Januar 2025 fertiggestellt haben. Die Einreichung der Unterlagen ist ab sofort möglich. Deadline für die Einreichung ist der 26. Oktober 2026.

Die Anmeldung und Teilnahme erfolgt formlos und ausschließlich per E-Mail an info@fama.de. Die detaillierte Ausschreibung findet sich hier.

Lineup steht: Messefachtagung und B2C-Fachforum in Ulm


In der letzten Ausgabe konnten wir nur eine thematische Ankündigung machen. Doch inzwischen steht das Lineup für den 23. bis 24. November 2026 und wir können auch Namen zu den Themen nennen. Auf jeden Fall wird während der FAMA Night wieder der Messe-Impuls-Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit mit Bezug zu Messen und Ausstellungen vergeben (Bild: FAMA).
 

Drei Vision-Notes stehen in Ulm auf dem Programm: Gunnar Heinrich und Dr. Lars Schmitt (adventics) werden unter dem Titel „Messeerfolg messbar machen • Auslöser, Erwartungen und Handlungsspielräume“ das Wort an uns richten. Als Zweites werden wir von Dr. Thorsten Knoll (MAK Wissenschaft) zum Thema „Messen als Instrumente des Wissenschaftsmarketings“ hören. Die letzte Vision Note von Matthias Baur (MBB Consulting) widmet sich dem Thema „Exhibition Sales im Wandel - wie wandeln wir Sales?“.

Zwei der drei Vision Notes (Thorsten Knoll ist als Jurymitglied bei der parallel stattfindenden Präsentation der Kandidat*innen für den Messe-Impuls-Preis gebunden) werden in anschließenden Deep Dives auf den Prüfstand unserer Teilnehmenden gestellt. Juliane Jähnke moderiert die Messeerfolgs-Runde mit Lars Schmitt, Michael Köhler (RX), Hendrik Hochheim (AUMA) und einem Ausstellervertreter. Oliver Schmitt wird der Vertriebs-Runde mit Matthias Baur, Robert Ninnemann und zwei weiteren Messeleuten auf den Zahn fühlen. 

Bevor wir uns im Restaurant Treibgut an der FAMA Night zur feierlichen Verleihung des Messe-Impuls-Preises und zum ausführlichen Networking treffen, wird Prof. Dr. Maximilian Lude, Geschäftsführer von philoneos in München, die Keynote mit dem Titel „Irgendwie fängt irgendwann, irgendwo die Zukunft an“ halten und seine Gedanken zu Innovationen, Traditionen, künstlichen Intelligenzen und humanem Pessimismus mit uns teilen. Wer im Hotel Lago neben der Messe sein Zimmer hat, der braucht nur den Fahrstuhl zu nehmen.

Der zweite Tag steht ganz im Zeichen des B2C-Fachforums, das wir zusammen mit dem AUMA durchführen. Diesmal werden drei parallele Workshops mit Fachleuten auf ihren Gebieten angeboten, denen jeweils eine Patin/ein Pate zur Seite steht. In den Tag starten wir mit kurzen Pitches, damit sich alle ihr Lieblingsthema aussuchen können.

Workshop 1 wird von Bert Overlack (erfolgswärts) moderiert. Ihm steht zum Thema „Fuckup – Das Scheitern von heute sind die Erfolge von morgen“ Juliane Jähnke zur Seite. Workshop 2 moderiert Carsten Kutzner (INtem) und wird die Aussage „Kunden kaufen keine Messe – sie kaufen Wirkung“ mit Hilfe von Robert Ninnemann bearbeiten. Den dritten Workshop übernimmt Roland Rausch (Zentrum Ideenmanagement), der sich mit kundiger Unterstützung von Stefan Köster dem Thema „Powerhouse Zukunft mit Ideenmanagement“ widmet.

Den gemeinsamen Abschluss mit einer Zusammenfassung der Themen des Tages übernehmen Gastgeber Jürgen Eilts (Ulm Messe), Hendrik Hochheim (AUMA) und unser Vorsitzender Henning Könicke. Anschließend besteht wie immer die Gelegenheit zu einer Geländeführung über die Ulm Messe.

Das komplette Programm als übersichtliche PDF-Datei finden Sie hier.

Die umweltfreundliche Anreise mit der Bahn erleichtern Event-Tickets, die hier bereits buchbar sind. Hotelzimmer in Ulm können hier bis zum 22. Oktober 2026 gebucht werden.

Der Onlineticket-Shop ist bereits online. Melden Sie sich jetzt schon an!


Freitag, 11. September 2026

Der Blick nach vorn: Geteilte Zitronen und der Nutzen Neugeborener


Ich bin oft im Netz unterwegs, wo mich vieles abstößt, und vieles inspiriert. Diesmal sind mir zwei Weltsichten untergekommen, die ich aufgreifen möchte. Beide haben mit Kreativität, Komplexität und Nutzen zu tun, der sich nur bei näherer Betrachtung erschließt. Beides Dinge, die weltweit in gewissen Kreisen derzeit nicht gerade Hochkonjunktur haben (Bild: AI / generiert mit Pixabay).

Kolumne von Oliver Schmitt

Der englische Physiker und Chemiker Michael Faraday lebte im 19. Jahrhundert und wurde einmal gefragt, welchen praktischen Nutzen die Grundlagenforschung habe. Seine pointierte Gegenfrage darauf: Welchen Nutzen hat ein Neugeborenes? Er wollte damit auf das große Potenzial beider abheben, das sich erst im Laufe der Jahre entfalte. Ein Neugeborenes hat keinen unmittelbaren Nutzen. Ganz im Gegenteil, es erfordert intensive Pflege und Aufmerksamkeit, und das über Jahre. Was für ein Glück, dass aufwachsende Kinder (noch) nicht in den Händen von Populisten liegen, die kaum die nötige Geduld und Sorgfalt dafür aufbringen.

Aber was haben wir damit zu tun? Wir können daraus lernen, dass es sich sehr wohl lohnt, den Dingen auf den Grund zu gehen, sich Zeit für kreative Prozesse zu nehmen, um echten Innovationen den Weg zu bereiten – anstatt immer nur auf den unmittelbar greifbaren Nutzen zu schielen. Oder die Flinte nicht allzu schnell ins Korn zu werfen, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt. Gut Ding will Weile haben, und so wie vielen das Babyglück nicht sofort vergönnt ist, braucht es auch im beruflichen Alltag oft mehrere Anläufe.

Die zweite beeindruckende Weltsicht kommt in einer Geschichte zum Ausdruck, die ich leider keiner Autor*in zuordnen konnte. Es geht darum, wie eine Zitrone zu teilen sei. Der Reflex, den auch ich zuerst hatte, ist: Wir teilen sie in zwei (gleich große) Hälften. Dann ist der Gerechtigkeit genüge getan und jeder möge mit seiner Hälfte tun, was ihr oder ihm beliebt. Was, wenn wir uns vorher fragen, was wir mit unserem Anteil anstellen wollen? Wenn etwa der Eine die Schale braucht, um mit den Zesten daraus seinen Plätzchenteig zu verfeinern. Und die Andere auf den Saft schielt, um daraus Limonade zu machen. Dann führt die vermeintlich gerechte Teilung nur dazu, dass beide einen erheblichen Teil ungenutzt wegwerfen.

Die Moral von der Geschichte: Sich einmal vorher kurz darüber austauschen, was Jeder denn so vorhat, bevor man sich in vermeintlich auf Gerechtigkeit schielende Verteilungskämpfe stürzt. Denn dann haben wir die Chance, knappe Ressourcen so zu verteilen, dass sie wirklich optimal genutzt werden können. Nebenbei liegt in dieser Geschichte auch viel Weisheit über Kollaboration. Wer klug zusammenarbeitet und Fairness nicht in stupider Arithmetik sucht, der kann knappe Ressourcen so verteilen, dass der maximale Nutzen entsteht.

Ich wünsche uns in der FAMA-Community, dass wir klug und vorausschauend miteinander umgehen und so für die Einzelnen wie für die Gemeinschaft das Beste herausholen. Mit Geduld, Kreativität und Cleverness. So san‘mer halt!