News

Informationsquelle FAMA-Blog

Hier bloggt der FAMA! Positionen, Kommentare, Meldungen zum Vereinsgeschehen und zur Messewirtschaft mit umfassendem Archiv.
Anregungen und Kommentare können Sie jederzeit per E-Mail an newsletter@fama.de schicken. Mitglieder sollten sich außerdem hier - falls noch nicht geschehen - zum FAMA-Newsletter anmelden, der derzeit acht Mal jährlich erscheint und der auch spezifischere Informationen und Anregungen enthält.

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Mitglieder stellen sich vor: Thomas Mur • Messe Bozen


Der FAMA gewinnt kontinuierlich neue Mitglieder, die wir dann hier vorstellen, damit sie sich schneller ins Netzwerk unseres Verbandes einfügen und sich unsere bestehenden Mitglieder ein Bild machen können. Wie angekündigt, folgen nun die neuen Mitglieder aus Österreich (bzw. deren assoziiertes Mitglied). Die Messe Bozen ist ein traditionsreicher Messeplatz in deutsch-italienischen Sprachraum und weist ein spannendes Portfolio auf. Direktor Thomas Mur beantwortet uns einige Fragen (Bild: Messe Bozen).

Die Messe Bozen ist ein traditionsreicher Messeplatz an der deutsch-italienischen Sprachgrenze. Was ist das Besondere an eurer Ausrichtung?

Unsere Fachmessen sind eng mit den Stärkefeldern der Südtiroler Wirtschaft verknüpft. Tourismus mit der Fachmesse Hotel und dem neuen Eventformat BEAM. Landwirtschaft mit Agrialp und Interpoma.  Wintersport mit der Prowinter. Nachhaltiges Bauen mit der Klimahouse. Das ist kein Zufall, sondern gewachsene Kompetenz. In der Region gibt es rund um diese Themen ein lebendiges Ökosystem aus Forschung, Innovation und Unternehmen. Dieses Ökosystem bildet den starken Kern der jeweiligen Messe.

Dazu kommt die Lage: Wir sind ein starker Wirtschaftsraum, in dem der deutsche und der italienische Sprachraum aufeinandertreffen. Für alle, die in beiden Märkten tätig sind, ist Bozen die natürliche Drehscheibe.

Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft ist von permanentem Wandel geprägt. Wie hat sich euer Geschäft zuletzt entwickelt und was erwartest Du in den kommenden Jahren?

Stabil, mit leichtem Wachstum. Bei allen Fachmessen sind unsere Flächen komplett belegt. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck extrem zu, und wir können ihn nicht immer weitergeben. Auch wenn Bozen nicht der Nabel der Welt ist: Es lohnt sich, hierherzukommen, weil die Leute bei uns etwas finden, das es woanders so nicht gibt. Die Erreichbarkeit wird zudem laufend besser.

Für die kommenden Jahre haben wir uns vorgenommen, weiter neue Nischenthemen aufzuspüren, sie relevant zu machen und daraus ausgewachsene Messen zu entwickeln. Daran arbeiten wir bereits intensiv. Und wir wollen noch stärker auf die Bedürfnisse unserer Aussteller eingehen, indem wir Zeit und Aufwand für einen Messeauftritt reduzieren und unsere Formate kompakter und serviceorientierter gestalten.

Welchen Stellenwert misst Du Digitalisierung und künstlicher Intelligenz für die Abläufe in der Messe- und Eventwirtschaft bei und wie werden diese die Customer Journey von euren Ausstellern und Besuchenden zukünftig beeinflussen?

Ein großes Thema, und ich glaube, bisher hat keine Messe wirklich eine überzeugende Antwort darauf gefunden. Für mich ist die Frage immer: Wie bringen wir die richtigen Menschen zusammen? Genau dabei kann KI enorm helfen, indem sie die richtigen Informationen zur richtigen Zeit liefert und Kontakte möglich macht, die sonst nie zustande kämen. Das funktioniert aber nur im Zusammenspiel mit gut ausgebildeten, experimentierfreudigen Teams.

Dabei sollten wir Messe nicht zu eng auf Angebot und Nachfrage reduzieren. Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn ein ganzes Ökosystem zusammenkommt: Unternehmen, Forschung, Start-ups, Verbände, Politik. Und neben allem Digitalen stellt sich eine zweite, ebenso wichtige Frage: Wie schaffen wir Räume, in denen sich Menschen gerne treffen? Gute Gastgeber zu sein, ist der Kern unseres Angebots. Das passt auch sehr gut zu unserer Region.

Welche Herausforderungen siehst Du in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit und wie geht Ihr bei der Messe Bozen konkret damit um?

Das ist ganz sicher ein Thema, das in unserer Branche bei vielen leider aus der Prioritätenliste gerutscht ist, was ich für einen Fehler halte. Wir sind EarthCheck-zertifiziert und waren die zweite Messegesellschaft in Europa, die sich dieser anspruchsvollen Zertifizierung gestellt hat.

Aber ein Zertifikat allein verändert nichts. Entscheidend ist, ob Nachhaltigkeit Teil der Kultur wird: Wollen wir jeden Tag ein bisschen besser werden – ökologisch, ökonomisch und sozial?

Wir sehen das Thema als Innovationstreiber, nicht als Pflichtübung. Und wir haben Spaß daran, Lösungen zu finden, die gleichzeitig gut für die Umwelt, gut für die Menschen und gut für unsere wirtschaftlichen Ziele sind. Solche Lösungen gibt es. Man findet sie aber nur, wenn man positiv an die Sache herangeht statt defensiv.

Warum ist die Messe Bozen Mitglied im FAMA und was erwartest Du von unserer Gemeinschaft in Zukunft?

Der FAMA ist eine der wichtigsten Plattformen unserer Branche. Er ist dynamisch, wächst und ist klar nach vorne gerichtet. Statt nur Probleme zu verwalten, setzt man sich hier mit Möglichkeitsräumen auseinander. Das passt gut zu uns.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir uns noch stärker kritisch und konstruktiv mit unserer Branche auseinandersetzen, auch mit unbequemen Fragen. Und dass wir dabei unbedingt den positiven Spirit beibehalten, der den FAMA heute auszeichnet.

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.