Der FAMA gewinnt kontinuierlich neue Mitglieder, die wir dann hier vorstellen, damit sie sich schneller ins Netzwerk unseres Verbandes einfügen und sich unsere bestehenden Mitglieder ein Bild machen können. Wie angekündigt, folgen nun der Reihe nach die neuen Mitglieder aus Österreich. Die Messe Wels ist der flächenmäßig größte Messeplatz in Österreich und hat jüngst eine weitere moderne Messehalle in Betrieb genommen. Geschäftsführer Robert Schneider beantwortet uns einige Fragen (Bild: Messe Wels).
Die Messe Wels ist ein dynamischer Messeplatz mit einem jüngst durch eine moderne Halle erweiterten Gelände. Was ist das Besondere an eurer Ausrichtung?
Durch den kontinuierlichen Ausbau unserer Halleninfrastruktur schaffen wir Nachfrage. Inflationsbereinigt und zum aktuellen Gegenwert haben wir seit 2008 knapp 100 Mio. Euro in neue Hallen investiert. Zuletzt 30 Mio. Euro in die neue Halle 22, welche im Februar eröffnet wurde. Hinzu kommt ein schlagkräftiges Messeteam und unser Mindset, jede Chance zu nützen und ständiges Wachstum voranzutreiben.
Wir sind durch unsere zentrale geografische Lage und durch unseren Eigentümer, die Stadt Wels, welche voll hinter der Messe steht und den Wachstumskurs auch finanziell unterstützt, in einer guten Position.
Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft ist von permanentem Wandel geprägt. Wie hat sich euer Geschäft zuletzt entwickelt und was erwartest Du in den kommenden Jahren?
Das Messegeschäft geht auf und ab und manchmal hat man das Gefühl, dass man jedes Jahr bei null beginnt. Die Grafik der Umsatzentwicklung der Messegesellschaften entspricht oft einer mehr oder weniger wilden Zickzacklinie. Zieht man jedoch über die Jahre einen Trend darüber, so ist das Messewesen stabil.
Ich sehe die nächsten Jahre positiv, ich sehe das Geschäftsmodell Messe positiv. Lediglich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung macht mir Sorgen.
Welchen Stellenwert misst Du Digitalisierung und künstlicher Intelligenz für die Abläufe in der Messe- und Eventwirtschaft bei und wie werden diese die Customer Journey von euren Ausstellern und Besuchenden zukünftig beeinflussen?
Zuerst kann man positiv festhalten, dass unser Geschäftsmodell von der KI nicht direkt bedroht ist. Messen lassen sich durch KI nicht ersetzen, der viel zitierte Satz vom persönlichen Kontakt, der durch nichts ersetzt werden kann, gilt auch hier. Die internen Abläufe werden sich, wenn man fünf Jahre nach vorne blickt, dramatisch ändern.
Fangen wir bei der Gegenwart an: Wir haben dieses Jahr unsere gesamten Anmelde- und Bestellprozesse hin zum Kunden digitalisiert. Die KI macht die Softwareentwicklung unglaublich schnell und einfach. Ein interaktiver Hallenplan kann zum Beispiel innerhalb von Tagen erstellt werden, Websites sind einfacher und kostengünstiger zu gestalten.
Wir haben intern zwei Initiativen gestartet: Erstens: KI-Integration. Wir erarbeiten für jede Abteilung Anwendungsbeispiele zur effizienten Nutzung von Copilot und Claude. Jede Abteilung hat eigene Accounts zur Verfügung mit unbeschränkten Zugriffen. Hier gibt es Grundschulungen und laufende Betreuung sowie gegenseitigen Austausch. Die zweite Initiative ist die Integration eines modernen Projektmanagement-Tools. Eigentlich nichts wirklich Neues, die Herausforderung liegt hier nicht bei der Software, sondern bei der Anpassung, Straffung und Verzahnung der internen Abläufe abteilungsübergreifend.
Blickt man in die Zukunft, so kann ich mir gut vorstellen, dass die Hallenplanung von der KI übernommen wird. „Human in the loop“ wird natürlich bleiben. Ich sehe das positiv. Unser Messeteam hat dann mehr Zeit, sich dem persönlichen Kontakt mit den Kunden zu widmen und die Messen inhaltlich weiterzuentwickeln.
Welche Herausforderungen siehst Du in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit und wie geht Ihr bei der Messe Wels konkret damit um?
Die ökologische Frage und die Nachhaltigkeit von Messeveranstaltungen sind ja schon seit vielen Jahren ein Thema in der Branche. Wir sind gerade dabei, die Zertifizierung zum Umweltzeichen zu finalisieren, und werden diesen Prozess noch dieses Jahr abschließen. Aber man muss auch einen kritischen Blick auf unsere Branche werfen. Messen sind ganz einfach ressourcenintensiv und werden es immer bleiben.
Warum ist die Messe Wels Mitglied im FAMA und was erwartest Du von unserer Gemeinschaft in Zukunft?
Wir sind schon seit vielen Jahren regelmäßiger Gast bei den FAMA-Veranstaltungen. Daher kenne ich viele Mitglieder bereits persönlich und durfte viele Seminare, Vorträge und Keynotes besuchen. Durch die Mitgliedschaft über Messen Austria wird sich dieser Kontakt sicher intensivieren und weitere Kollegen und Kolleginnen der Messe Wels werden teilnehmen.
Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.
