Mit den „Fünf Fragen…“ an Persönlichkeiten mit Messe- oder Veranstaltungsbezug sollen deren Haltungen und Einstellungen sichtbar gemacht und Impulse für persönliche Begegnungen gefördert werden. Derzeit stehen der Reihe nach unsere eigenen Vorstandsmitglieder Rede und Antwort. Nach Henning Könicke, Astrid Jaeger, Stefan Köster, Michael Kynast und Michael Köhler folgt nun Robert Ninnemann (im Vorstand für die Zusammenarbeit mit dem Forum Veranstaltungswirtschaft zuständig), im Hauptberuf Geschäftsführer von RAM Regio aus Erfurt (Bild: RAM Regio/Volker Hielscher).
Unter welchen Umständen vergisst Du die Zeit?
Eigentlich immer dann, wenn ich in ein gutes Gespräch mit interessanten Menschen vertieft bin. Wenn noch nicht alles gesagt ist, passiert es schnell, dass jemand auf die Uhr schaut und das Ende anmahnt – meine Frau kann davon ein Lied singen.
Wenn alle gehen wollen, habe ich oft noch eine letzte Frage, die unbedingt geklärt werden muss, damit ein Termin wirklich rund abgeschlossen ist.
Wie hat sich deine Meinung zu einem Thema zuletzt geändert?
Durch die Vielzahl an Begegnungen und Eindrücken versuche ich eigentlich ständig, Positionen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Mein aktuelles Lieblingsbeispiel ist die „Verwaltung“. In der öffentlichen Debatte hört man derzeit fast täglich pauschale Bürokratie- und Verwaltungskritik. In der aktuellen Vorarbeit zu unserem größten Messeprojekt, der Thüringen Ausstellung 2026, habe ich jedoch viele sehr positive Erfahrungen gemacht. Diese Begegnungen haben mein Verständnis für die jeweils andere Perspektive deutlich erweitert und mir gezeigt, wie viele engagierte Menschen dort lösungsorientiert arbeiten und unterstützen wollen.
Wenn man wirklich zuhört – ganz im Sinne von audiatur et altera pars, also auch die andere Seite hört – wird schnell klar, dass jeder aus seinem Fachgebiet wertvolle Impulse einbringen kann.
Was ist das Beste an deinem Beruf?
Ganz klar: die Vielfalt. An einem Tag führe ich politische Gespräche, am nächsten tauche ich in technische Detailfragen ein mit Menschen, die für ihr Thema brennen.
Diese Mischung aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten macht die Arbeit an Verbrauchermessen für mich jeden Tag neu spannend. Meine Neugier ist dabei ein großer Motor – ob mir der Staatssekretär oder Minister aus seinem Alltag berichtet oder ein Eisenbahner mit leuchtenden Augen eine historische Weichenstellanlage erklärt, beides kann gleichermaßen faszinierend sein.
Genau diese thematische Bandbreite ist ein echtes Geschenk und zeigt, wie viel Inspiration und neuer Input in der Organisation von Verbrauchermessen steckt.
Wer darf Dir sagen, dass Du falsch liegst?
Grundsätzlich jeder – entscheidend ist für mich nur, dass die Argumente fundiert und wirklich durchdacht sind. Ich bin jederzeit bereit, meine Positionen anzupassen, wenn neue Perspektiven oder bessere Begründungen auf den Tisch kommen.
Schwieriger wird es für mich nur dann, wenn Kritik eher der Verlängerung einer Diskussion dient als einer echten inhaltlichen Weiterentwicklung. Unser verstorbener Unternehmensgründer Eberhard Kreuser pflegte zu sagen: „Die Ausrede ist schneller raus als die Maus zurück im Loch.“ In diesem Satz steckt viel Wahrheit – denn nicht jede Gegenposition bringt automatisch einen echten Mehrwert.
Wenn Kritik Substanz hat, neue Blickwinkel eröffnet und zu besseren Entscheidungen beiträgt, nehme ich sie sehr gern an und entwickle das Lagebild entsprechend weiter.
Eine Woche ohne Smartphone: Was hieße das für Dich?
Grundsätzlich erst einmal ein spannendes Experiment. Meine Frau würde vermutlich sofort meinen Puls fühlen und sich fragen, ob mit mir alles in Ordnung ist. Gleichzeitig reizt mich der Gedanke – vielleicht sind die Sorgen im Vorfeld größer als die Realität.
Ich nutze das Smartphone sehr intensiv, um schnell Antworten auf Fragen zu finden, erreichbar zu sein und zügig reagieren zu können, wenn in einem Projekt etwas aufpoppt. Ganz ohne wäre es wahrscheinlich zunächst ungewohnt still, vielleicht sogar mit einem gewissen Kontrollverlust verbunden.
Aber wer weiß – möglicherweise wäre es auch überraschend befreiend und ein guter Anlass zur Selbstreflexion. Vielleicht würde man sogar feststellen, dass vieles auch ohne meine permanente Erreichbarkeit erstaunlich gut funktioniert.
