„Der Maimarkt, das ist mein Leben“ – dieser Satz war von Stefany Goschmann öfters zu hören. Wenn die Vorbereitungen für den Maimarkt, das „Flaggschiff“ der Mannheimer Ausstellungs-gesellschaft (MAG), in die heiße Phase gingen, blieb sie der Fels in der Brandung und sprühte zugleich vor Begeisterung. Am Sonntag, 26. Juli, ist Stefany Goschmann, unser Ehrenvorstandsmitglied, im Alter von 70 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben (Bild: Markus Proßwitz).
Schon früh war die Tochter des Firmengründers Kurt Langer in das Messegeschäft hineingewachsen. 1956 in Stuttgart geboren, verbrachte Stefany Goschmann die ersten Lebensjahre im Schwarzwald, bis die Familie 1968 nach Mannheim übersiedelte. Am Küchentisch sprachen die Eltern Kurt und Anne-Dore Langer über anstehende Aufgaben beim Maimarkt und bei der Südwest Messe in Villingen-Schwenningen, später trug Tochter Stefany bei Messe-Rundgängen mit Ehrengästen schon mal das „Täfele“.
Nach dem Abitur 1975 arbeitete sie in England als Dolmetscherin und Übersetzerin, absolvierte eine Ausbildung als Heilpraktikerin. Dann rief der Familienbetrieb: 1983 trat sie in die MAG ein und durchlief praktisch alle Stationen des Unternehmens, von der Neukonzeption der Kataloge über Rezeption und Standplanung bis zur Messeorganisation. Über die Jahre hat Stefany Goschmann den Maimarkt Mannheim zu einer modernen Regionalmesse weiterentwickelt.
Über die Verbandsarbeit im Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (AUMA) lernte sie dessen Geschäftsführer Klaus Goschmann kennen, ihren späteren Ehemann, der als Messefachmann, Journalist und Dozent tätig war und ihr beratend zur Seite stand. Dessen Sohn Jan Goschmann kam 2004 als Elektromeister und Veranstaltungstechniker ins Unternehmen, baute die SVT Südwest Veranstaltungsservice und Technik GmbH auf und ist seit 2009 ebenfalls Geschäftsführer.
Ob Aussteller, Lieferpartner, Prominenz oder Besucherinnen und Besucher – in jedem Einzelnen sah die Maimarkt-Chefin den Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Vorlieben. Das galt stets auch für die rund 60 Mitarbeitenden in Büro und Technik. Als bei der Corona-Pandemie das Unvorstellbare geschah und der Maimarkt zwei Jahre lang aussetzen musste, verstand sie es, die Belegschaft mit Geschick durch die Zeit zu führen. Niemand hat während der Pandemie seinen Job verloren, und im Frühjahr 2022 wurde dann in Rekordzeit der erste Maimarkt „danach“ auf die Beine gestellt.
Seit Jahren hat Stefany Goschmann sukzessive Verantwortung an Jan Goschmann übertragen. Für sie, die im komplexen Messegeschehen stets auch die Details im Blick hatte, war es eine große Entlastung, sich teilweise zurückziehen und entspannen zu können. Gleichwohl blieb sie bis zuletzt neugierig auf das Geschehen im Büro und auf dem Maimarktgelände, freute sich über Neuheiten ebenso wie über langjährige Kontakte zu Ausstellern und Weggefährten. Ihre Begeisterung für den Maimarkt, ihr offenes Ohr für die Menschen und nicht zuletzt ihr Sinn für Humor werden in Mannheim und Villingen-Schwenningen lange in Erinnerung bleiben.
Im FAMA hat sie lange als Vorstandsmitglied gewirkt, war äußerst engagiert im Verband und wurde schließlich zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt. In der Messewirtschaft hat sie sich als tüchtige Unternehmerin großes Ansehen erworben, auch weil ihr die Weiterentwicklung, gerade der großen Publikumsmesssen, sehr am Herzen lag. Sie hat neue Ideen entwickelt und eingefordert und dadurch dem Format, auch über ihren eigenen Wirkungsbereich hinaus, zu neuer Dynamik verholfen. Den Mannheimer Maimarkt hat sie als Ikone der großen Verbraucherausstellungen mit Strahlkraft weit über die Rhein-Neckar-Region hinaus positioniert.
Wir sind dankbar für ihr Wirken zum Wohle unseres Verbands und werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
