Der FAMA gewinnt kontinuierlich neue Mitglieder, die wir dann hier vorstellen, damit sie sich schneller ins Netzwerk unseres Verbandes einfügen und sich unsere bestehenden Mitglieder ein Bild machen können. Doch auch all jene Mitglieder, die schon länger im FAMA vertreten sind, wollen wir hier sukzessive vorstellen. Diesmal an der Reihe ist die Gesellschaft für Handwerksmessen aus München. Deren langjähriger CEO Dieter Dohr verabschiedet sich Ende des Jahres in den Ruhestand, wofür wir ihm von Herzen alles Gute wünschen. Seine Nachfolger, Tobias Gröber und Alexander Uebel beantworten uns hier einige Fragen (Bild: GHM).
Die GHM ist Spezialistin für Handwerksthemen und diesem Wirtschaftszweig nicht nur über ihre Gesellschafter (Bayerischer Handwerkstag, Handwerkskammer für München und Oberbayern und ZDH) eng verbunden. Was bedeutet diese Spezialisierung für Euer Geschäftsmodell und worauf legt Ihr beim Umgang mit Euren Kunden besonderen Wert?
Unsere Spezialisierung auf das Handwerk ist tief verwurzelt in unserer DNA. Wir können uns auf das Handwerk fokussieren und dabei sowohl die großen Themen des Handwerks gewerkeübergreifend adressieren als auch einzelne Gewerke individuelle betreuen.
Darüber hinaus müssen wir - anders als das vielleicht die großen Player am Messemarkt müssen - keinen Spagat zwischen in ihren Anforderungen weit auseinanderliegenden Industrien machen (von Lasertechnologie, zu Design, zu Baustoffen und Baumaschinen, Gewerbeimmobilien etc.). Wir kennen durch die Verwurzelung im Handwerk und unser jahrzehntelanges Arbeiten mit den Handwerksbranchen die Bedürfnisse, Herausforderungen und Potenziale dieses Wirtschaftszweigs wie kaum ein anderer. Dabei basiert unser Geschäftsmodell auf dem Anspruch, Messen zu gestalten, die nicht nur Plattformen für Produkte sind, sondern Orte für Begegnung, Austausch und Zukunftsgestaltung im Handwerk.
Wir legen besonderen Wert auf partnerschaftliche Zusammenarbeit, individuelle Betreuung und eine hohe Servicequalität – vom ersten Kontakt bis zum letzten Messetag. Hand drauf.
Das Messegeschäft wird komplexer, der Wettbewerb mit anderen Marketing-Instrumenten härter und die Kunden anspruchsvoller. Wie hat sich das Messegeschäft der GHM zuletzt entwickelt und womit rechnet Ihr in den kommenden Jahren?
Das Messegeschäft hat sich in den letzten Jahrzehnten vor allem durch die Digitalisierung verändert. Diese Veränderungen kommen immer noch langsam, aber stetig und mit zunehmender Geschwindigkeit auch auf die Handwerksmessen zu. Die GHM hat diesen Wandel aktiv angenommen – und wir haben unsere Organisation im Aufbau und im Ablauf neu aufgestellt.
MVP-Denke, agile Projektteams, neue Formate und Beteiligungsmöglichkeiten, hybride Angebote und eine stärkere Fokussierung auf Erlebnis und Relevanz halten bei der GHM Einzug. Unsere Leitmessen wie die DACH+HOLZ International, Iba oder die Opti zeigen, dass Messen weiterhin zentrale Treffpunkte für Branchen bleiben, wenn sie klug kuratiert und digital ergänzt werden.
Für die kommenden Jahre rechnen wir mit einer weiteren Differenzierung: Messen werden spezialisierter, digitaler und dialogorientierter – und wir gestalten diesen Wandel mit unseren Partnern aktiv mit. Dabei sind wir alle Fans von Live-Events: gerade in Zeiten von KI und Deep Fakes wird das persönliche Treffen noch wichtiger werden als einzige überprüfbare Möglichkeit zur Informationsgewinnung. Aber halt nicht mehr ausschließlich mit und durch den Quadratmeter.
Welchen Stellenwert haben Trends wie Digitalisierung oder KI z.B. für Abläufe in Eurem Unternehmen und auf euren Messen und wie gestaltet Ihr die Customer Journey Eurer Kunden?
Wir haben vor kurzem unser GHM KI-Lab gestartet, um in einem Mix aus internen Anforderungen und externer Inspiration KI-basierte Lösungen im Unternehmen einzuführen, die Mitarbeiter zu schulen und uns insgesamt schneller und effizienter zu machen. Die Größe der GHM ist hierfür ideal, um schnell Fortschritte machen zu können.
Digitalisierung und KI sind für uns keine Buzzwords, sondern Werkzeuge zur Verbesserung der Customer Journey. Dabei gilt der Grundsatz: „One size fits all“ funktioniert nicht. Wir schauen uns in Zukunft strukturiert an, welche Potentiale wir auf der Erlös- und Kostenseite heben können. Dafür haben wir eine neue Position im Unternehmen geschaffen: „Business Innovation“.
Welche Herausforderungen seht Ihr in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit und wie geht Ihr mit ihnen um?
Wir tragen nicht die Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette, doch dort, wo wir Einfluss haben, sehen wir ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit als Chance: Wir gestalten Prozesse und Strukturen vorausschauend neu, eliminieren Überflüssiges und schaffen so die Grundlage für ein effizientes, innovatives und nachhaltiges Geschäftsmodell.
Gleichzeitig bauen wir das Thema Nachhaltigkeit als Kernthema in unsere Veranstaltungen ein über Content, Sonderschauen, Panels, Talks oder spezielle Formate und Lösungen, die im Alltag der Aussteller, Besucher und weiteren Stakeholder rund um eine Messe Wirkung zeigen.
Das spiegelt sich in modularen Konzepten, regionaler Wertschöpfung und unternehmerische Verantwortung, aber auch in einer neuen Art der Eventplanung oder in kleineren Aktionen wie Food-Sharing-Stationen wider.
Warum ist die GHM Mitglied im FAMA und was erwartet Ihr euch von unserer Gemeinschaft in Zukunft?
Die GHM ist Mitglied im FAMA, weil wir an die Kraft von Gemeinschaft glauben. Der Austausch mit anderen Messeveranstaltern, die gemeinsame Entwicklung von Standards und die politische Interessenvertretung sind für uns essenziell. Wir erwarten vom FAMA, dass er weiterhin Impulsgeber für Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit im Messewesen bleibt – und freuen uns darauf, diesen Weg aktiv mitzugestalten.
Wir bedanken uns für das Gespräch.
