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Informationsquelle FAMA-Blog

Hier bloggt der FAMA! Positionen, Kommentare, Meldungen zum Vereinsgeschehen und zur Messewirtschaft mit umfassendem Archiv.
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Dienstag, 16. Juni 2020

Der Blick nach vorn: Jeden Tag Weihnachten? Bloß nicht!


Als die Welt vermeintlich noch in Ordnung war – also vor Corona – hat man den Messen immer vorgeworfen, dass sie – im Gegensatz zu den Online-Plattformen – ja nur während ein paar Tagen im Jahr relevant seien. Sachlich ist das korrekt beschrieben. Was für ein gewaltiger Aufwand, nur um für wenige Tage ganze Branchen an einem Ort zu versammeln.

Heute, in Zeiten nicht enden wollender Videokonferenzen, sehnt sich manch einer den besonderen Ereignischarakter jeder noch so vermeintlich unbedeutenden persönlichen Begegnung herbei. Von dem einzigartigen Spirit eines Branchen- oder Themenevents, zu dem sich Expertinnen in großer Zahl an einem Ort einfinden, ganz zu schweigen.

Umso erstaunlicher, dass sich nicht wenige Fachleute finden, die genau das für die Online-Formate der Zukunft propagieren: Eine 365-24-7-Verfügbarkeit, weltweit zu jeder Stunde, an jedem Tag. Dass dabei der einzigartige Ereignischarakter, der besondere Wert eines Events, das eben nicht „ubiquitär“ ist, verloren geht, darüber scheinen sich viele nicht zu sorgen.

Man stelle sich nur einmal vor, wie es wäre, wenn wir jeden Tag Weihnachten feierten: „Last Christmas“ aus allen Lautsprechern, tagein, tagaus, Glühwein in den Parks bei minus 5 oder plus 30 Grad, Geschenke jeden Abend unterm Christbaum. Dabei steht mir persönlich der Schock schon ins Gesicht geschrieben, wenn Lebkuchen und Spekulatius nur kurze Zeit nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub die Supermarktregale füllen.

Und doch ist der an Messen gerichtete Vorwurf des großen Aufwands nur für ein paar Tage substantiell. Aber deswegen die Online-Variante einer Branchenmesse oder einer großen Verbraucherausstellung rund um die Uhr ganzjährig ins Netz zu stellen – dabei ginge ganz viel Einmaliges verloren.

Die Lösung dafür ist gar nicht so schwer: Das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Das Live-Event mit smarten Digital-Tools weltweit verfügbar machen – während der Laufzeit der physischen Messe. Das vergrößert die Reichweite enorm, hat einen nachhaltigen Effekt und behält den Charakter der Einmaligkeit.

Und den Rest des Jahres der Community eine Plattform bereitstellen, wo sie sich, ihren Content und ihre Entdeckungen austauschen können. Das schafft eine tiefe Markenbindung und bereitet gleichzeitig den Boden für noch effizientere und zugleich verschwenderisch glücksbringende Höhepunkte der persönlichen Begegnung.

Damit wir uns über die Geschenke unter dem Baum auch in Zukunft wirklich freuen können.

Wiederaufnahme von Messen: Baden-Württemberg hinkt hinterher


Ausgerechnet das unter dem legendären Ministerpräsidenten Lothar Späth für seinen Pragmatismus bekannte Baden-Württemberg gerät zusehends ins Hintertreffen.

Geradezu grotesk muten im Kontrast zu den Entscheidungen aus Österreich und Italien die Perspektiven im Südwesten an: Öffentliche Tagungen, Kongresse und Messen sollen ab 1. Juli mit einer Teilnehmerzahl von bis zu 100 Menschen, ab 1. August mit bis zu 500 Menschen möglich sein.

Zwar müht sich Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut nach Kräften, den Messen im mutmaßlichen Kompetenzgerangel innerhalb des Kabinetts verlässliche und realistische Öffnungsperspektiven zu verschaffen. Warum dies ausgerechnet im einstigen Musterländle so lange dauert, bleibt ein Geheimnis.

 Für heute wird eine Kabinettsentscheidung zur Perspektive für Messen erwartet.

Mediensplitter: Immer mehr Länder erlauben wieder Messen

Jetzt sind auch unsere österreichischen Kollegen wieder auf dem Weg zur Wiederaufnahme von Messen:
Österreich ermöglicht Messen ab sofort

Foto: Messen Austria

Einer Meldung des ORF zufolge, ist die Durchführung von Messen in Österreich ab sofort wieder erlaubt. Eine absolute Obergrenze für Besucher gebe es nicht. Allerdings müssen für die Messen behördliche Genehmigungen eingeholt und dazu ein CoV-Präventionsplan vorgelegt werden. Bemerkenswert erscheint, dass nicht etwa das Wirtschaftsministerium den Entscheidungsstau aufgelöst hat, sondern Tourismusministerin Elisabeth Köstringer dafür die Initiative ergriffen hat.

Auch Italien ermöglicht Wiederaufnahme von Messen

Foto: Messe Bozen

Per Dekret hat zunächst Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher der Messe Bozen erlaubt, Messen unter Einhaltung spezifischer Sicherheitsprotokolle wieder aufzunehmen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervor. Einer Mitteilung des Weltmesseverbands UFI zufolge ziehen nun auch die italienischen Regionen Toskana, Venetien, Latium und Lombardei nach, wo der Neustart von Messen zwischen dem 12. und 15. Juni unter unterschiedlichen Auflagen beginnen kann.

Neue Studie: Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungsbranche


Die Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft IGVW hat am 15. Juni 2020 eine neue Studie zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Veranstaltungsbranche veröffentlicht.

Daraus geht hervor, dass die Branche mit jährlichen Umsätzen von zuletzt über 129 Mrd. EUR Platz 6 der umsatzstärksten Branchen in Deutschland einnimmt – noch vor der Metallerzeugung/-bearbeitung und dem Bauhauptgewerbe.

Bezogen auf die Anzahl der Teilnehmer bei reinen Business-Events nimmt Deutschland nach den USA und China mit fast 150 Mio. weltweit den dritten Platz ein. Fast eine Million Arbeitsplätze hängen direkt an der Veranstaltungsbranche. Nimmt man indirekte Effekte mit hinzu, steigt diese Zahl auf über 1,9 Mio. und übertrifft damit sogar die direkten Zahlen der Automobilindustrie.

Alleine die von der Veranstaltungsbranche ausgelösten Umsatzsteuereinnahmen belaufen sich auf jährlich rund 20 Mrd. EUR.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

Auf Basis dieser Studie haben Akteure der baden-württembergischen Veranstaltungsbranche (u.a. HINTE Messe, Neumann & Müller, Messe Freiburg) eine Initiative für die Messe- und Veranstaltungswirtschaft, insbesondere die privat geführten Unternehmen der Branche, ins Leben gerufen.

Ziel ist es, weitere Überbrückungshilfen für unverschuldet in Not geratene Betriebe zu erreichen.

Jetzt auch direkt im Online-Shop zur FAMA Sommer-Fachtagung anmelden


Dank der unermüdlichen Unterstützung durch unseren Partner ADITUS, können wir nunmehr endlich den FAMA Online-Shop freischalten.

Dadurch wird die Online-Teilnahme an der FAMA Sommer-Fachtagung erheblich erleichtert.

Kurzentschlossene können sich damit sogar bis kurz vor Beginn der Veranstaltung noch für eine Online-Teilnahme registrieren.

Hier gelangen Sie zum FAMA Online-Shop.

Den Online-Shop können Sie ebenfalls über die FAMA-Homepage/Tagung (im unteren Drittel der Seite) aufrufen.

Wir freuen uns, dass wir mit dieser Lösung nunmehr für die FAMA Veranstaltungen längst übliche Standards erfüllen können. Auch die Anmeldung für die Herbst-Fachtagung in Hamburg wird – dann ebenfalls für die Präsenzteilnahme – über diesen Weg erfolgen.

FAMA Sommer-Fachtagung: Programmänderung aus aktuellem Anlass


Weil uns Alle der Umgang mit der aktuellen Situation – und vor allem der Wiederanlauf im Herbst – tief bewegt, startet die FAMA Sommer-Fachtagung neu mit einer Podiumsdiskussion, deren Titel „Neue Wege, Umwege, Sackgassen? Wie sich Covid-19 auf das Messegeschäft auswirkt“ lautet.

Moderator Mike Seidensticker wird auf dem Podium Carola Schwennsen (Fachausstellungen Heckmann GmbH), Hans-Joachim Erbel (Reed Exhibitions Deutschland GmbH) und Wolfram N. Diener (Messe Düsseldorf GmbH) begrüßen.

Somit sind die Perspektiven Publikumsmessen, private Veranstalter, Fachmessen, Messegesellschaften und Venues prominent vertreten.

Nach einer »Tour de Table« über die individuellen Erfahrungen der Podiumsgäste mit Verschiebungen, Absagen, rechtlichen Grundlagen und wirtschaftlichen Auswirkungen, werden drei Themenfelder diskutiert:

   Die neue Normalität der Veranstaltungs- und Messeformate:
   Welche neuen Formate werden derzeit entwickelt? Welche alternativen digitalen Formate werden    
   aufgesetzt? Gibt es ein Zurück zur alten Normalität?

   Die neue Normalität in der Kundenbeziehung:
   Hat sich die Customer Journey im Zeitalter von Covid-19 verändert? Wenn ja, in welcher Form? Wie hat 
   sich die Kundenbeziehung in den letzten Monaten verändert?

   Die neue Normalität in der Arbeitswelt:
   Welche neuen Arbeitsmodelle und Arbeitszeitmodelle haben sich entwickelt? Wie sind die Erfahrungen 
   damit? Gibt es ein Zurück zur alten Normalität?

Montag, 15. Juni 2020

Der Blick nach vorn: Messen sind Magie ohne Tricks


Was passiert eigentlich alles auf Messen?

Landläufig herrscht ja noch immer die Meinung vor, Messen dienten vorrangig dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Oder wenigstens der Verkaufsförderung.

Bei näherem Hinsehen ist das aber - vor allem bei Fachmessen - schon länger nur noch am Rande so. Klar, Messen werden vielfach dazu genutzt, die Vertragsunterzeichnung als feierlichen Schlusspunkt eines komplexen Verhandlungsprozesses zu inszenieren. Auch ist die Zahl der gesammelten Leads weiterhin ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg einer Messe. Und das völlig zu Recht.

Aber selbst auf Publikumsmessen ist der Direktverkauf für viele Aussteller in den Hintergrund gerückt – sieht man mal von den in Österreich liebevoll „Professionisten“ genannten Berufsausstellern ab. Wenn es der Verkauf nicht mehr ist, was macht dann die von der Wirtschaft so schmerzlich vermisste Eigenart von Messen aus? Ganz einfach: Messen sind Magie ohne Tricks.

Schon alleine die Magie des Berührens, des buchstäblichen Begreifens kann im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernd sein: Ein Produkt ausprobieren, den Geschmack von Käse auf der Zunge zergehen lassen, oder eine komplexe Lösung persönlich erklärt bekommen. Das sind Erlebnisse, die in der virtuellen Welt nicht möglich und im auf Effizienz getrimmten Einzelhandel vielfach verloren gegangen sind.

Oder die besondere Stimmung auf Messen: Alle Beteiligten haben lange darauf hingearbeitet, die alten Hasen schwelgen in Erinnerungen und die Newcomer können es kaum erwarten, die magischen Messetage endlich selbst zu erleben. Der besondere Ereignischarakter einer Messe, die eben nicht immer und überall stattfindet, ist einzigartig und zieht seit jeher Menschen in seinen Bann.

Last, but not least: Jede Messe ist ein kleines Jubiläum und verströmt diese unnachahmliche Energie. Menschen einer Branche oder mit gemeinsamen Interessen treffen sich alle zur selben Zeit am selben Ort und sorgen für einzigartige Transparenz. Die Relevanz von Trends wird gemeinsam bewertet und Angebote unterschiedlichster Firmen unmittelbar verglichen. Auch das ist ohne den persönlichen Kontakt so nicht denkbar.

Messen sprechen Menschen auf unnachahmliche Weise, mit allen Sinnen an. All unsere Bedürfnisse als soziale Wesen werden wie selbstverständlich erfüllt – sei es nun im rational geprägten B2B-Umfeld, oder im Rahmen eines ausgefallenen Hobbys oder einfach nur der persönlichen Freizeitgestaltung: Messen sind Magie ohne Tricks und können gerade deshalb Menschen buchstäblich verzaubern.

Fünf (+1) Fragen an: Alexander Wassermann (CEO Zeppelin Systems GmbH)


Mit den „Fünf Fragen …“ an Persönlichkeiten aus dem FAMA Umfeld sollen deren Haltungen und Einstellungen sichtbar und Impulse für persönliche Begegnungen gefördert werden.

Diesmal steht Alexander Wassermann, CEO der Zeppelin Systems GmbH, Rede und Antwort.

Zeppelin Systems ist ein weltweit führendes Anlagenbau-Unternehmen für das Handling hochwertiger Schüttgüter mit Hauptsitz in Friedrichshafen am Bodensee. Alleine 2020 waren neun nationale und internationale Messebeteiligungen geplant.

1. Unter welchen Umständen vergessen Sie die Zeit?

Ich habe gelernt, dass Management meist damit verbunden ist nicht nur „weniger Zeit“ zu haben, sondern auch oft nicht verlässlich den Zeitpunkt vorhersagen zu können an dem man Zeit hat. Deshalb vergesse ich die Zeit vor allem außerhalb der Arbeit, denn da wird Zeit plötzlich zu einem Luxus, dem man kein Ende zuordnen möchte. Ich kann mich mit vielen interessanten Themen (außerhalb der Arbeit) beschäftigen, um es nicht nur als Hobby einzusortieren, die mich die Zeit vergessen lassen.
 
2. Wie hat sich ihre Meinung zu einem Thema zuletzt geändert?
 
Durch meine berufliche Laufbahn war ich viel im Ausland unterwegs. Ost und West. Zwei Jahre habe ich mit meiner Familie auch in den USA gewohnt. Trotz (oder vielleicht auch wegen) der unterschiedlichen Lebensweisen konnten wir die Zeit dort sehr genießen, der „American Way of Life“ hat uns fast ausnahmslos gefallen. Ich sah das als eine unverrückbare Meinung an, werde aber nun mit den sichtbaren Untiefen der gespaltenen Gesellschaft dort konfrontiert, die meine Meinung darüber in einigen Punkten deutlich geändert hat.

3. Was ist das Beste an ihrem Beruf?
 
Dass ich mit Menschen zusammenarbeiten darf, die, genau wie ich, etwas zum Besseren beeinflussen wollen.
 
4. Wer darf Ihnen sagen, dass Sie falsch liegen?
 
Jeder! Er/Sie muss mich aber mit Argumenten überzeugen. Fake news scheint leider immer öfter die Quelle der Argumente zu sein. Als Ingenieur ist das natürlich nicht akzeptabel, hier ist Präzision gefordert.
 
5. Eine Woche ohne Smartphone: Was hieße das für Sie?
 
Wie soll das gehen?
 
6. Was hat Covid-19 in ihrem Alltag verändert?
 
Im Management ist man immer damit beschäftigt Krisen auch zu antizipieren, damit es einen nicht unvorbereitet trifft. Und wieder einmal lerne ich, dass das nur bedingt geht. Man kann sich nicht auf alles vorbereiten, aber ich erlebe wie Teams durch Krisen Stärken entwickeln können, die zuvor nicht so deutlich sichtbar waren. Das wird uns nach der Krise stärker machen.
In der Familie ist eine Ruhe eingekehrt, die im hektischen Alltag kaum mehr möglich erschien. Ich hoffe, wir können uns davon viel erhalten.